38. Hubertusjagd 2019

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Traditionsjagd mit Herzblut

Zu seiner 38.ten Schleppjagd lud der Reit- und Fahrvereins Zeitz Bergisdorf e.v. hinter den Beagles des Schleppjagdvereins Frankenmeute dank des Engagements der beiden Frankenmeute Mitglieder Anke und Wolfgang Ablass nun schon zum siebten Mal unter der Schirmherrschaft von Holger Stahlknecht, Minister für Inneres und Sport Sachsen- Anhalt ein.

Die Anreise von Equipage und Hunden erfolgte bereits am Freitagnachmittag, wobei leider eine Autopanne die Anreise der Hunde aus dem Kennel in Lauf etwas verzögerte und die Nerven und Geduld der Houndslady Birgit Hoepffner und Karin Fleischmann strapazierte. Aber dennoch wunderbarer Laune trafen sich alle Frankenmeutler nach dem die Pferde und Hunde sehr gut versorgt waren und auch die Equipage zu Pferde und zu Fuß samt Master und Houndslady Quartier genommen hatten in Droyßig in der Schlossgasstätte zusammen mit allen anderen vorangereisten Jagdreitern und den Verantwortlichen für die Jagd.

Nach einer Begrüßung durch Anke Ablass stimmte ein kurzes Ständchen von Präsident Dr. Armin Kirchdorfer, Master Uwe Hochbrückner, Frankenmeutlerin Anke Ablass und Christian Faber vom Parforcehorncorps Daina Gera mit ihren Hörnern die Gäste auf das jagdliche Rahmenthema das alle hierher gelockt hatte ein.

In seiner kurzen Ansprache führte Armin Kirchdorfer aus, dass die Jagd in Zeitz zwar eine Traditionsjagd ist, aber von der Meute und den Gästen dennoch immer wieder anders wahrgenommen wird und die Jagdstrecke sich immer wieder anders anfühlt, hat man doch in dem Jahr zwischen den Terminen einiges erlebt, andere Jagden und eigene persönliche Ereignisse, die einen von einem stets neuen Standpunkt aus nach Zeitz kommen lassen. Wie immer war auch dieser ein wunderschöner gemeinsamer Abend und egal woher man kam, ob wie die treue Vierergruppe aus Detmold, aus Schwaben oder vom heimischen Reitverein, man verstand sich bestens und es wurde viel gelacht.

Damit auch die Kultur nicht zu kurz kommt und die Jagdreiter aus der Ferne wissen, auf welch geschichtsträchtigem Boden man sich befindet, erzählte der Kulturreferent Arthur Wellnitz von Droyßig dieses Mal von der Wohltätigkeit des Fürst Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg und der Geschichte des von ihm zwecks Ausbildung von evangelischen Frauen zu Elementarschullehrerinnen, Lehrerinnen für höhere Töchterschulen und Gouvernanten gestifteten Christophorusschule, das inzwischen als staatlich anerkanntes Gymnasium überregionalen Ruf erworben hat.

So wurde es 1847 von Fürst Otto-Viktor von Schönburg-Waldenburg durch Unterzeichnung einer entsprechenden Stiftungsurkunde als evanglisches Lehrerinnenseminar gegründet, um „Personen weiblichen Geschlechts, welche bereits confirmiert sind“, in christlichem Geiste auf eine spätere pädagogische Tätigkeit in der Gesellschaft und im Staat vorzubereiten und öffnete 1852 seine Pforten als erste Bildungsstätte solcher Art für Mädchen in Preußen. 1855 wurde ein Gouvernanteninstitut und ein Pensionat angeschlossen. Die Gemeinde Droyßig und Preußen schlossen einen Vertrag in dem festgelegt wurde, dass 80 von den 130 schulpflichtigen Mädchen aus der Dorfschule gegen eine Vergütung von einem Taler pro Kopf in die Übungsschule des Seminars übernommen würden, wobei die Droyßiger Anstalten unmittelbar dem Minister der geistlichen Unterrichts – und Medizinalangelegenheiten Preußens unterstanden.

Heutzutage kann man sich nur noch schwer vorstellen, dass es Zeiten gab in denen Kinder – und schon gar Mädchen – nicht selbstverständlich in die Schule gingen und so Zugang zu Bildung, zum Erlernen von Beruf und in Folge Möglichkeit zu Einkommen aus eigener Arbeit hatten. Wenn auch kein jagdreiterliches Thema, aber dennoch ein spannendes und ein schöner geschichtlicher Einblick.

Am Jagdtag selbst traf man sich im halb zehn zu einer wunderschönen Hubertusmesse im Dom St. Peter und Paul zu Zeitz, geblasen vom Parforcehorncorps Diana Gera. Die Jagdhornbläser, Equipage und Jagdgesellschaft zogen gemeinsam unter den Klängen der großen Orgel in den Dom ein – ein erhebender Moment.

Pfarrer Fischer griff das aktuelle Zeitgeschehen auf und führte in dem Wortgottesdienst – aus der Geschichte des Heiligen Hubertus heraus – in seiner Predigt aus, dass er sich von allen Menschen heutzutage wieder mehr Respekt, Empathie und Wertschätzung dem Anderen gegenüber wünscht. Dass es nur im respektvollen Miteinander, dem Einfühlen in den Anderen und der Wertschätzung jedes Einzelnen möglich ist, für alle eine gute Gegenwart und Zukunft zu schaffen.

Nach der Messe wurden die Hunde im Schlosshof präsentiert und die Jagdhornbläser erfreuten die Zuhörer mit einigen schönen Stücken. Ebenso ein schöner Anblick wurde den Zuschauern durch den Verein für historische Kostüme Gruppe in ihren historischen Gewändern geboten, die dann in der Kutsche durch den Schlosspark zum Reitverein fuhren.

Auch die Hunde folgten diesem Weg zum Stell- Dich- ein der Reiter am Reitverein Zeitz- Bergisdorf. Die Jagdreiter hatten sich schon gemeinsam zu einem sehr leckeren Frühstück getroffen und sich von den Köstlichkeiten verwöhnen lassen. Die im Bild gezeigten Torten hatten die Jugendlichen des Vereins gezaubert – Respekt!

Ernst Ebenhoch, 1. Vorsitzender des Reitvereins begrüßte die weit über dreißig Jagdreiter die zur Jagd nach Zeitz gekommen waren und auch Master Uwe Hochbrückner sprach einige Worte, dann ging es auf die Jagdstrecke unter der Feldführung von Ricardo Tondok. Die Schleppe wurde gelegt von Catrina Kötsch und Herma Leitermeier von der Frankenmeute. Und ja, es war wie von Dr. Kirchdorfer am Vorabend angekündigt, die Strecke bot auch dieses Jahr die ein oder andere schöne Überraschung und elf wunderbare Schleppen mit einer Vielzahl an Sprüngen. Ross und Reiter konnten sich bei einer kurzen Rast erholen, bis es dann wieder zurück zum Reitverein ging. Besonders für den Franken ist an der Jagd in Zeitz aber auch, dass hier weniger Landschaft reine Kultur-, sondern eben auch Naturlandschaft ist – Natur pur eben, und so eine Schleppengestaltung und ein Erleben des jagdlichen Reitens möglich wird, wie man es sich in der freien Natur eigentlich wünscht. Christian Faber und Anke Ablass begrüßten die Jagdreiter auf den Schleppen immer wieder mit ihren Hörnern und bliesen die passenden Fanfaren – immer wieder ein köstlicher Genuss!

Die Hunde jagten eifrig die Schleppen ab und konnten sich immer wieder erfrischen, so dass sie konstant ein hohes Tempo vorlegten, dem die Reiter sehr gerne folgten.

Zum Curée im Schloßpark am Fuße der Moritzburg traf die Jagdgesellschaft unter den Augen der sehr interessierten Besucher wieder am Reitverein ein und die Hunde erhielten ihre wohlverdiente Anerkennung, die Jagdreiter Bruch und Jagdknopf.

Nach dem Versorgen der Pferde traf man sich wieder zum Jagdessen und tauschte bei Speis und Trank die Erlebnisse des Tages aus. Ein sehr sportlicher, herzlicher und wunderschöner Jagdtag – von den Verantwortlichen rund um Familie Ablass und des Vereins mit viel jagdreiterlichem Herzblut und Liebe sorgfältig komponiert – neigte sich dem Ende zu. Die Jagdreiter machten sich mit strahlenden Gesichtern und Freude im Herzen auf ihren mal mehr, mal weniger langen Weg nach Hause und werden sicher noch länger an diesen wunderbaren Tag denken.

Dieser wurde nicht zuletzt auch ermöglicht durch den Einsatz der vielen Helfer vom Verein, die den von Pfarrer Fischer geforderten Gemeinschaftsgeist auf das Beste bewiesen. Viele waren an dem Gelingen dieses Tages beteiligt, Einzelpersonen aber auch Vereine und Gruppen wie die Frankenmeute, die Parforcehornbläser „Diana“ Gera e.V., die katholische Gemeinde Zeitz, die Stadt Zeitz, das Museum Schloss Moritzburg, der Verein für historische Kostüme Droyßig und die regionalen Reit- und Schützenvereine. Dass diese vielen Beteiligten zusammen einen ganzen Tag zu einem gemeinsamen Jagderlebnis orchestrieren konnten, zeugt von gegenseitiger Wertschätzung und muss von einer gehörigen Portion Mitdenken und Mitfühlen und Respekt getragen worden sein. Ein guter Anfang für das bessere Miteinander, das im Dom so nachdrücklich eingefordert wurde.

Bilder:

Anke Ablass, Armin Kirchdorfer, Franz Rettenmaier

Text: Reinula Böcker

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